Dokumentation: Verteilung im vZEV mit symmetrischer Pro-Rata-Methode
Diese Seite erklärt, wie im vZEV der lokal verfügbare Strom aus den Photovoltaikanlagen (PV) zwischen
den Teilnehmern verteilt wird.
Die hier beschriebene symmetrische Pro-Rata-Verteilung ist die in der Praxis übliche
bzw. Standard-Methode für vZEV-Abrechnungen.
1. Messung und Grundbegriffe
Die Abrechnung erfolgt auf Basis von Viertelstundenwerten (15-Minuten-Intervalle) für jeden Teilnehmer.
Pro Intervall liegt für jeden Teilnehmer genau ein Wert vor:
- Bilanz (Wh): Nettowert pro Teilnehmer und Intervall
- positiv: Strombezug (Last übersteigt PV-Produktion)
- negativ: Überschuss (PV-Produktion übersteigt Last)
Wir verwenden folgende Begriffe:
- Netzbezug (Wh): Strombezug eines Teilnehmers, der nach der Verteilung
weiterhin aus dem öffentlichen Netz gedeckt wird (positive Bilanz abzüglich Kauf vZEV).
- Kauf vZEV (Wh): Anteil der positiven Bilanz, der aus lokalem vZEV-PV-Strom gedeckt wird.
- Verkauf vZEV (Wh): Teil des PV-Überschusses eines Teilnehmers, der innerhalb des vZEV
von anderen Teilnehmern genutzt wird.
- Einspeisung Netz (Wh): Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist wird
(pro Teilnehmer).
- Bilanz vZEV (Wh): Summe der Bilanzen aller Teilnehmer in einem Intervall.
- positiv: Totalbezug des vZEV aus dem Netz
- negativ: Einspeisung Netz des vZEV
2. Prinzip der symmetrischen Pro-Rata-Verteilung
Die Verteilung erfolgt für jedes 15-Minuten-Intervall separat und basiert nur auf den
gemessenen Bilanzen der Teilnehmer. Ziel ist:
- alle gleich zu behandeln (keine Bevorzugung einzelner Teilnehmer),
- den lokal produzierten PV-Strom möglichst vollständig intern zu nutzen,
- und eine nachvollziehbare, energiebilanziell korrekte Abrechnung zu gewährleisten.
2.1 Schritt 1: Aufteilung in Bezüger und Einspeiser
Für jedes Intervall werden die Teilnehmer wie folgt eingeteilt:
- Bezüger: Teilnehmer mit Bilanz > 0 (Strombezug).
- Einspeiser: Teilnehmer mit Bilanz < 0 (PV-Überschuss).
Daraus berechnen wir:
- Gesamtbezug:
C = Summe aller positiven Bilanzen (Wh)
- Gesamtüberschuss:
P = Summe der Beträge aller negativen Bilanzen (Wh)
(also P = Summe(-Bilanz) für alle Einspeiser)
Der maximal intern nutzbare PV-Strom im vZEV lautet:
Eint = min(C, P)
2.2 Schritt 2: Verteilung an Bezüger (Kauf vZEV)
Alle Bezüger erhalten einen Anteil des lokalen PV-Stroms proportional zu ihrer eigenen positiven Bilanz.
Für einen Bezüger i mit Bilanzi > 0 gilt:
- Kauf vZEVi =
Eint · (Bilanzi / C)
-
Der verbleibende Teil seiner Bilanz stammt aus dem Netz:
Netzbezugi = Bilanzi − Kauf vZEVi
2.3 Schritt 3: Verteilung bei Einspeisern (Verkauf vZEV)
Alle Einspeiser verkaufen ihren PV-Überschuss an den vZEV-Pool
proportional zu ihrem Überschuss.
Für einen Einspeiser k mit Bilanzk < 0 gilt:
- Überschussk = −Bilanzk (Wh)
- Verkauf vZEVk =
Eint · (Überschussk / P)
- Einspeisung Netzk ins öffentliche Netz =
Überschussk − Verkauf vZEVk
2.4 Schritt 4: Bilanz des vZEV gegenüber dem Netz
Für jedes Intervall stimmen interne Käufe und Verkäufe exakt überein:
Summe(Kauf vZEV) = Summe(Verkauf vZEV) = Eint.
Die Bilanz vZEV gegenüber dem Netz ergibt sich aus den ursprünglichen Bilanzen:
Bilanz vZEV = Summe aller Teilnehmer-Bilanzen
- Wenn C > P:
Der vZEV bezieht zusätzlich Strom aus dem Netz:
Netzbezug vZEV = C − P (Bilanz vZEV > 0)
- Wenn P > C:
Der vZEV speist überschüssigen PV-Strom ins Netz ein:
Einspeisung Netz vZEV = P − C (Bilanz vZEV < 0)
3. Eigenschaften der Methode
- Standardverfahren: Die symmetrische Pro-Rata-Verteilung wird in vielen vZEV- und
Eigenverbrauchsmodellen als faire und transparente Standardmethode verwendet.
- Gleichbehandlung: Alle Bezüger und Einspeiser werden im jeweiligen Intervall
proportional zu ihrer tatsächlichen positiven Bilanz bzw. ihrem Überschuss berücksichtigt.
- Transparenz: Die Berechnung je 15-Minuten-Intervall ist eindeutig reproduzierbar
auf Basis der bekannten Bilanzen.
- Energieerhaltung: Interner Kauf vZEV und Verkauf vZEV sind immer ausgeglichen;
die verbleibenden Mengen werden eindeutig dem öffentlichen Netzbezug oder der Einspeisung Netz zugeordnet.
4. Einfaches Beispiel
In einem 15-Minuten-Intervall ergeben sich folgende Bilanzen (Wh):
| Teilnehmer |
Bilanz (Wh) |
| A |
+400 |
| B |
+200 |
| C |
-300 |
| D |
-500 |
C = 400 + 200 = 600 Wh
P = 300 + 500 = 800 Wh
Eint = min(600, 800) = 600 Wh
Bezüger (A,B): Kauf vZEV
- A: Kauf vZEV = 600 · (400 / 600) = 400 Wh → Netzbezug = 0 Wh
- B: Kauf vZEV = 600 · (200 / 600) = 200 Wh → Netzbezug = 0 Wh
Einspeiser (C,D): Verkauf vZEV und Einspeisung Netz
- C: Überschuss = 300 Wh
Verkauf vZEV = 600 · (300 / 800) = 225 Wh
Einspeisung Netz = 300 − 225 = 75 Wh
- D: Überschuss = 500 Wh
Verkauf vZEV = 600 · (500 / 800) = 375 Wh
Einspeisung Netz = 500 − 375 = 125 Wh
Kontrolle:
- Summe Kauf vZEV = 400 + 200 = 600 Wh
- Summe Verkauf vZEV = 225 + 375 = 600 Wh
- Gesamte Einspeisung Netz vZEV = 75 + 125 = 200 Wh
- Bilanz vZEV = 400 + 200 − 300 − 500 = −200 Wh (entspricht 200 Wh Einspeisung Netz)
Ueli Kienholz, Dipl. El.-Ing. ETH, Weinfelden, 9.11.2025 (mit etwas Hilfe von ChatGPT)